Reykjavik, die nördlichste Hauptstadt der Welt

Island ist flächenmässig rund drei mal grösser als die Schweiz. Doch das Land hat bloss etwa 400'000 Einwohner. Über die Hälfte von ihnen lebt in Reykjavik, einer neuen und jungen Stadt, welche zusammen mit den Vororten eine grössere Ausdehnung aufweist als Paris. Dabei war der Ort um 1940 lediglich eine "Ortschaft" mit weniger als 10'000 Einwohner. Vor 1918 gehörte die Insel zu Dänemark, danach wurde sie ein eigenständiger Staat. 1940 nahmen die Engländer Island für die Alliierten in Besitz, damit sie nicht den Deutschen in die Hände fiel. Dies war zugleich der Anfang von Wohlstand und Arbeit für viele. Erst 1944 entstand die unabhängige Republik. Heute ist die Tourismusbranche die wichtigste Einnahmequelle, gefolgt von der Fischerei.

Als wir uns um 10:00 Uhr auf eine geführte Stadtrundfahrt machen, ist es noch dunkel. Die Sonne kommt erst gegen 11:00 Uhr. Wir besuchen Skulpturen des Künstlers Asmundur Sveinsson, das Stadthaus, den katholischen Dom und die lutheranische Hallgrimskirche. Vor dem imposanten Gebäude steht das Denkmal von Leif Eiriksson, dem wahren Entdecker Amerikas. Singschwäne und andere Wasservögel nutzen auf dem gefrorenen See eine offene Wasserfläche, welche durch zugeleitetes Wasser entsteht. Danach geht es zum Hafen mit seinen kleinen Kneipen. Die Harpa (=Harfe) Music Hall ist ein architektonisches Kunstwerk mit Basalt, Bienenwabenstrukturen und vielen Spiegeln. Es gilt als UNESO Weltkulturerbe.  












Den Nachmittag verbringen wir auf eigene Faust im Perlan, einem der grossartigsten Naturmuseen der Welt. Besonders die Lavalschau ist absolute Spitze. Man "fährt" in Vulkane und Höhlen hinein, taucht unter Wasser und spürt das Zittern des Landes zwischen den kontinentalen Platten. Danach geht man  durch Eishöhlen, besucht Fauna und Flora und landet schliesslich auf der Aufsichtsplattform des Daches.  Hier herrscht bei wolkenlosem Himmel ein eisiger Wind. Im darunterliegenden Restaurant hat man ebenfalls eine grandiose Aussicht auf die ganze Stadt. Das Perlan ist auf grossen Heisswassertanks gebaut, welche ganz Reykjavik mit Wärme versorgen. Nebst den heissen Elemente gibt es in Island auch jede Menge Eis. Der Vatnajökül ist grösser als alle übrigen europäischen Gletscher zusammen. Die Klimaerwärmung setzt ihm jedoch bereits stark zu.

 




Die Suche nach den Polarlichtern findet heute (noch) nicht statt, weil wesentliche Voraussetzungen fehlen. So ist die Sonnenaktivität heute und morgen gering. Auch der klare Nachthimmel dürfte sich nicht zeigen. Für Übermorgen sind die Prognosen günstiger. Stattdessen verbringen wir den Abend in der Laugavegur, der Flanier- und Einkaufsmeile von Reykjavik. Während es keine natürlichen Nordlichter hat, begnügen wir uns uns mit dem künstlichen Illuminat menschlicher Phantasie.


 

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